Hey du

Nun sind Wochen vergangen,
Wochen in der wir gekämpft haben,
zuerst miteinander und dann haben wir
uns gegeneinander gestellt.

Ich wusste dir würden die Regeln die
meine Therapeutin und meine Lieben
gemeinsam mit uns aufstellen nicht
gefallen,du hast gebockt, gelacht und
wir haben uns überlegt wie wir die
alle überlisten können.
Du wolltest ja schliesslich auch
nicht wieder in eine Klinik gehen!?

Heute war ich auf der Waage,
meine Hausärztin war hocherfreut über
unser NG, ja unser- ich mache dich
klein. Die Regeln, das essen, das drin
behalten alles tat weh,
du hast so laut geschrien wie du nur
konntest, hast mir schmerzen bereitet-
sie funktionierten, die Kontrolle von
aussen hat mich zum essen gezwungen.
Sie zwingen mich zum essen, und
eigentlich geht es mir damit besser.
Ich weiss wenn diese Kontrolle nicht
wäre, wärst du stärker als ich,
doch wir stellen uns mindestens zu
fünft gegen dich,
was willst du nun machen?

Du sagst mir nun den ganzen Tag
wie fett ich doch geworden bin,
das tut weh- es ist meine Schwäche und
du weisst das....
doch alle anderen finden ich würde
viel besser aussehen- ich glaube sie
lügen nicht, und mich mästen
wollen sie auch nicht....
das würden sie nie wollen,
was hätten sie auch davon?

Ich kann gerade jetzt klarer denken,
deshalb schreibe ich dir, es wird Zeit
das du gehst, ich will nicht mehr
unter dir leiden, ich will nicht
hungern, ich will mir keine
Schmerzen zufügen,
kein Blut mehr sehen- weisst du,
es wird Zeit zu Leben!
Ich möchte Pläne machen,
meine Ausbildung gut beenden..
ich möchte einfach ohne dich sein!

Was hast du mir schon gebracht?
Alleine sein, Lügen, betrügen, kotzen,
hungern, hassen.. Wut!
Alle schönen Gefühle hast du
weggemacht, ich will die wieder.
Deshalb auch wenn,
ich mich gerade schlimm finde,
auch wenn man nicht mehr jeden
Knochen sehen kann (ist das schön?),
ich lasse mich weiter von anderen
kontrollieren, sie sind dir nicht ergeben-
sie hassen dich mehr als ich-
und gemeinsam werden wir
dich eines Tages los.

Ich kann dir für nichts danken,
ich will dich nur aus meinem Leben
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Grabrede

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen wo
ich mich entgültig von dir verabschieden
möchte. Vielleicht hat dein Dasein einen
Sinn gemacht, vielleicht wolltest du mich
schützen. Ich gehe aber nun ohne dich
weiter, ich brauche dich nicht-
ich weiß nicht ob ich dich überhaupt
gebraucht habe. Viele Schmerzen hast
du mir gebracht, nur um mich vor den
anderen Schmerzen zu schützen?
Dies ergibt keinen Sinn für mich.
Ich will mich diesen Schmerzen stellen,
ich kann mich nicht hinter
dir verstecken lassen,
ich brauche dieses Versteck nicht mehr.

Du machst keinen Sinn,
du machst kaputt und zerstörst.
Heute stirbst du - deine Symptome sterben.

Allerdings hast du mir auch die
Augen geöffnet, hast mir den
Blick für das Wesentliche geschenkt,
der Körper ist nur die Fassade,
wichtig ist, was in ihm steckt. Ich will
nicht mehr hungern, ich will mir nicht
dauernd Gedanken übers Essen
oder nicht Essen machen..
ich will nicht mehr Erbrechen..
ich will mich nicht mehr selbst Verletzen,
ich habe das nicht nötig.
Ich bin nicht schlecht, ich habe
das Recht zu leben und ein Leben
ohne dich zu führen.
Ich will wieder fühlen und trauern,
jedes Gefühl auch wenn es schmerzt
möchte ich empfinden können.
Du hast mir nichts gegeben,
außer eine Abstumpfung,
vielleicht war dies auch richtig-
doch nun ist es falsch.
Ich stelle mich meinem Leben.

Es ist an der Zeit für dich zu sterben,
es tut mir nicht leid, ich habe dir
auch nie leid getan..
du hast mich gequält!
Ich war zu dumm und dachte du wärst
ein guter Schutz für mich,
innerlich wollt ich immer wieder
ausbrechen doch du warst lange Zeit
zu stark für mich. Nun bin ich
zu stark für dich, ich brauche dich
nicht mehr zu meinem Schutz,
ich wollte dich eigentlich nie..
ganz langsam hast du dich in mich
hinein geschlichen und wie eine Zecke
an mir gesaugt und dich breit gemacht.

Ich werde einen anderen Weg gehen,
andere Lösungen finden.
Aber auf dich will ich nie mehr
in meinem Leben zurückgreifen-
du bist schlecht.
Du hast mir eingeredet schlecht zu sein,
mir für vieles die Schuld zugeschoben.
Warum? Ich war blind, blind vor Schmerzen,
ich konnte nur noch dir folgen
unter dem Deckmantel der Kontrolle.
Du hast vieles kaputt gemacht,
vieles bereue ich nun sehr,
Narben die mich an dich erinnern,
werd ich immer tragen-
schlimmer sind die Narben in mir.
Innerlich leergemacht hast du mich,
leer und tot.
Ich war nur noch da um einfach zu
funktionieren.. machte was du mir ins
Ohr geflüstert hast. Ich habe dir geglaubt,
noch Heute zweifle ich daran,
aber es wird besser und deine
Stimme wird verschwinden,
langsam wirt du an dir selbst ersticken.

Nun Ruhe sanft,
danke für nichts und doch für einiges!
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